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21 September 2026

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Silverrudder – ein Elbfuchs düst rund Fünen

Ein Bericht von Klaus Arndt:

Nach dem Super-Schweinerennen in der SVB habe ich wohl für einige Fragezeichen gesorgt. 😳

Wo will Klaus denn heute am Sonntag noch hin?

Kurze Antwort: Elbauf! 😃

Stimmt auch. Bis zur Schleuse und weiter nach Rendsburg – mit dem letzten Tageslicht ging es vor Anker in den Obereiderhafen. Ab 6 Uhr durfte ich den Kanal wieder befahren. Aber wer fährt schon zwei Seemeilen vor mir?

Black Maggy von Wolfram Heilbeck. Der hat schließlich 2021 in 17 Stunden und 36 Minuten die 146 Seemeilen rund Fünen abgesegelt. Moin Wolfram! Und auch der Elbfuchs ist wieder dabei. Jupp!

Mit dem letzten Wind ging es noch schnell die 45 Seemeilen bis Svendborg. Unterhalb von Strynø setzte eine X-445 einhand für vier Seemeilen einen 140-qm-Gennaker.

„Willst du auch zum Silverrudder?“, kam die Frage im Vorbeifliegen.

Ach, wie blöd – natürlich beantwortet er die Frage gleich selbst. 😳

„Überschlag dich nicht!“ war mein Kommentar.

Die letzte Meile war dann allerdings windstill. Also Zeit, sich auf das Anlegen vorzubereiten. Einweiser und Schlauchboot-Crew kamen mir entgegen und wiesen mir den besten Platz im Hafen zu. Nachdem sie erst einmal verstanden hatten, dass „Brunsbüttel“ am Heck nicht der Schiffsname ist, standen auch schon zwei Festmacher vom Organisationsteam bereit.

Die Jungs wunderten sich, wie die Elbsegler mit dem Strom im Hafen so gut zurechtkommen.

„Ahhh, du kommst von der Elbe? Ihr könnt das tatsächlich? Hast du ein Bier für uns?“

Herrlich! Willkommen in Dänemark! 🍺🇩🇰

Kaum festgemacht, meldete sich Philipp aus Kiel, Pilot und Kapitän in der Elbmündung, mit seiner alten X-102:

„Klaus … ETA 04:00 Uhr.“

Meine Antwort:

„Okay, ich schalte mein Ankerlicht ein. Kannst neben mir liegen.“

Philipp konnte es allerdings nicht verhindern: Das Silverrudder-Team hatte andere Pläne und weckte mich, weil mein Ankerlicht noch brannte. 😇

 

 

Die Ruhe vor dem Start

Am Mittwoch und Donnerstag liefen dann die meisten Boote in Svendborg ein und wurden professionell eingewiesen. So langsam kam richtig geschäftiges Treiben auf.

Anmelden, Sicherheitscheck, Startnummer und Tracker montieren, Verpflegung vorbereiten und natürlich noch einmal alles am Boot kontrollieren.

Der Wetterbericht wechselte gefühlt stündlich – von gerade noch akzeptablen Bedingungen bis hin zum Starkwind-Race. Eines war allerdings sicher:

Ein Flautenloch war ausgeschlossen und die Segelwahl konnte eigentlich nur falsch sein. 😳

Bei Philipp wurde an Bord gegrillt und jeder steuerte etwas dazu bei. Gleichzeitig entstanden rund um die Stege abenteuerliche Energieverbindungen, damit jedes Boot irgendwie an den Landstrom kam.

Am Mittwochnachmittag und Donnerstag wurde es immer voller. Immer mehr Boote kamen an, und überall wurde vorbereitet, diskutiert, getüftelt und natürlich über das Wetter gesprochen.

Am Nachmittag stand das Briefing auf dem Programm. Danach hieß es: noch einmal ordentlich schlafen.

Denn am Freitag musste ich mit 135 Booten an den Start. 🙈

 

 

Freitag – Silverrudder!

Am Freitagmorgen musste unser Päckchen bereits 50 Minuten vor dem Start ablegen und sich auf den Weg zur Startlinie machen.

Ich hatte eine sehr ruhige Nacht und war gut ausgeschlafen. Alles war vorbereitet, alles noch einmal kontrolliert.

Also los – mit meiner Taktik zum Start.

Trotz der vielen Boote fand ich eine sehr gute Position an der Startlinie. Schon wenige Sekunden nach dem Startsignal ging es in Luv dicht an der südlichen Seebrücke vorbei. Die Menschentraube an Land machte ordentlich Lärm und sorgte für einen kräftigen Motivationsschub.

Jetzt ging es wirklich los.

Die 136 Seemeilen lange Bahn sollte uns alles abverlangen.

Der Autopilot kam nur für die dringendsten „Geschäfte“ zum Einsatz. 😃

Im Sund gab es wie üblich zahlreiche Windlöcher. Mit meiner kleinen G4 kam ich dort nicht wirklich in Fahrt. Das änderte sich kurze Zeit später allerdings ziemlich abrupt.

Die ersten kräftigen Schauerböen brachten 25 Knoten Wind.

Bis Fünen Nord lief alles rund. Aber das Kap zeigte dann doch seine Krallen: Böen bis 30 Knoten.

Also sofort wenden und hinein in die tiefere Bucht, wo deutlich bessere Bedingungen herrschten. Der Plan ging auf und ich konnte mich bis Æbelø im Mittelfeld behaupten.

 

Die Nacht wird lang

 

Jetzt brach die Nacht herein – und damit begann die lange, echte Kreuz.

Mindestens 20 Ausweichmanöver standen auf dem Programm.

Wie erwartet verlor ich dabei einige Plätze. Aber freiwillig gebe ich keinen Meter her!

Dieses Jahr war der Sund von Mittelfahrt sehr gut zu passieren. Leichter mitlaufender Strom und kaum Windlöcher brachten die Boote schnell zum Eingang in den Kleinen Belt und sorgten für eine kurze Verschnaufpause.

Aber natürlich blieb uns auch die nicht lange erhalten.

Im Kleinen Belt erwartete uns eine mega hohe Welle. Die kleinen Positionslichter der Boote sahen darin aus wie ein Kurzschluss in der Leitung.

Der frische Wind nahm noch einmal Fahrt auf und drehte glücklicherweise etwas nach rechts, sodass nur ein kurzer Holeschlag nötig wurde.

Höhe Bågø wurde es langsam etwas heller. Dafür war es neblig, nass und gab kräftige Schauer. Dazu wieder Böen mit über 30 Knoten wahrem Wind.

Jetzt noch schnell bis Lyø.

Das Boot bekam noch einmal alles abverlangt.

Dann endlich Segel öffnen und in den Svendborg Sund hinein – bis ins Ziel.

Mit einer Top-Speed von 9,5 Knoten durchs Wasser.

 

Geschafft!

 

Nach 24 Stunden und 48 Sekunden war die Regatta für mich beendet.

Segel runter, anlegen – geschafft!

Mit Philipp und Wolfgang, die beide vorsichtshalber abgebrochen hatten, wurde erst einmal das verdiente Anlegebier genossen.

Aufräumen?

Kommt später.

Zuerst ging es für zwei Stunden in die Koje. 😴

Wegen des Starkwinds blieben wir noch bis Sonntag in Svendborg und konnten so auch an der Preisverteilung teilnehmen.

Von den 320 gestarteten Booten bekamen 255 Skipper das begehrte Silverrudder-T-Shirt. 122 gemeldete Teilnehmer waren erst gar nicht angereist.

 

 

Warum macht man so etwas?

Ja – es ist anspruchsvoll, so etwas zu segeln.

Auf die Frage, warum man sich das antut, gibt es bei 450 Meldungen wahrscheinlich auch 450 unterschiedliche Antworten.

Meine ist ziemlich einfach:

Hier kannst du auch mit einem „normalen“ Boot unglaublich viel Spaß haben. Du kannst dein Wissen und deine Erfahrung einbringen, neue Freundschaften aufbauen und letztlich auch als Skipper besser werden.

Und das ist vielleicht das Wichtigste: Wenn du dein Boot und dich selbst immer besser einschätzen kannst, kannst du auch deinen Mitseglern die nötige Sicherheit vermitteln.

 

Danke!

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, was die Vereinsmitglieder und die Helfer in Svendborg für uns auf die Beine gestellt haben.

Sie waren freundlich, hilfsbereit und hatten trotz der vielen ehrenamtlichen Stunden immer noch Spaß an diesem außergewöhnlichen Event.

Auch die Sicherheit hatte einen sehr hohen Stellenwert – und hat auch dieses Mal wieder unglaublich gut funktioniert.

Die Fachpresse wird sicherlich noch ausführlich über das Silverrudder berichten.

Mein Dank an Familie, Freunde und Unterstützer ist bereits in unserer Community ausgesprochen worden.

Hier möchte ich deshalb einfach noch sagen:

Es war eine großartige Woche, ein anspruchsvolles Rennen und ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Und wer weiß …

Vielleicht wird aus einem schönen Urlaubssegelboot mit ein bisschen Fuchsinstinkt ja doch noch ein Wolf. 😂

Euer Klaus