Silverrudder 2021 aus Sicht von SY Piccadilly

Montag 13.09.2021
Es ist 17:00 und das erste Rennen ist zu gewinnen, die letzten Büroaufgaben sind erledigt und das Telefon ist aufs Handy umgeleitet. Jetzt schnell ins Auto und ab zur SVB den Kühlschrank an Bord der Piccadilly mit Leckereien für das Silverrudder (Einhandregatta rund um Fünen) befüllen.

Und los geht ́s mit der Fantasy (Dirk Grimsmann) und Grand Cru (Rainer Gosch) in den NOK Schleusen und eine unruhige Nacht im Kanalhafen verbringen.


Dienstag 14.09.2021

08:00 gemeinsame Abfahrt nach Kiel. Bei anfänglichem Frühnebel tasten wir uns am Kanalrand entlang und hoffen von den Kanallenkern nicht erwischt zu werden.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein legen wir dann im Yachthafen von Strande an. Mit ein paar Bier und einem leckeren Bauernfrühstück lassen wir den Abend ausklingen.
Die Coriolis (David Kortmann) ist auch im Regattamodus und geht am späten Abend längsseits an die Piccadilly. David hat überzeugende Argument die zu einer zügigen Entleerung einer Ginflasche führen.


Mittwoch 15.09.2021

08:00 Uhr und es soll losgehen nach Svendborg. Wir starten bei herbstlichem Wetter (56 Bft. und Nieselregen) bei rd. 60° am Wind und bis zu 1,5m hohen Wellen Richtung Marstall. Wir kommen schnell voran und können mit 8 Knoten durchs Wasser segeln. Kurz vor Marstall nimmt der Wind zu und wir müssen einmal reffen. Die Coriolis zerreißt sich leider die G3 und kann an der Regatta nicht mehr teilnehmen. David dreht um und segelt
nach Hause (Schade)

Ab Marstall sind dann die Wellen weg und wir können entspannt nach Svendborg segeln. Wir entscheiden uns für den Weg rechts um Tåsinge herum während Rainer und Dirk die andere Richtung gewählt haben. Wir erwischen den Tidenstrom von 1,5 kn durch den Svendborgsund mitlaufend und können so 45 Minuten vor den anderen den Hafen erreichen. In Svendborg werden wir bereits von den SY Burrasca (Wolfgang Wiese) und Elbuchs (Klaus Arndt) erwartet. Wir werden auf die Elbfuchs zu leckeren Schollen und Lachsfilet eingeladen (für jeden beachtliche 500 Gramm Fisch). Bei Wein und Bier werden da schon mal die unterschiedlichen Regattataktiken für Freitag diskutiert.

SVB-Päckchen in Svendborg

Donnerstag 16.09.2021
Heute wird ausgeschlafen. Nach dem Frühstück geht ́s ab zum Regattabüro, Anmelden, Tracker und Startnummer abholen. Wieder zurück aufs Schiff und warten auf den SafetyCheck. Alles wird überprüft, Feuerlöscher, Rettungsweste Signalmunition usw. Piccadilly hat alles an Bord und bekommt die Freigabe zur Teilnahme an der Regatta.

SVB Teilnehmer

Skipperbesprechung

Um 17:00 ist dann die Skipperbesprechung für die Regatta. In englischer Sprache wird der Kurs (red Flag, Fünen an Backbord lassen) und die Ausweichregeln erklärt. Sebastian Wache (Wetterwelt in Kiel) erklärt uns dann noch die Wetterverhältnisse für die Zeit der Regatta. Damit wir alle für den Regattastart fit sind geht es heute rechtzeitig in die Koje.

Freitag 17.09.2021
Frühstücken, Brote schmieren für die kommende Nacht und das Schiff für die Regatta klarieren.
Der Adrenalinspiegel steigt. Rainer hat die Grand Cru gewichtstechnisch soweit optimiert das nicht mal mehr Wasser für einen Kaffee an Bord ist. Auf der Piccadilly fährt ausreichend Trinkwasser mit, und ein Wasserkessel voll Wasser wechselt den Besitzer. In der Summe: Picadilly 1 kg leichter und Grand Cru 1 Kg schwerer. Um 11:00 ist dann endlich Start. 112 Schiffe starten in meiner Gruppe (Keelboats
Medium).

Gedrängel vor dem Start

Da ich Respekt vor dem Gedrängel an der Startlinie habe, starte ich weiter hinten. Da ist es aber auch nicht besser. Im Gedrängel werden ich hochgeluvt, kann aber nicht weg weil da schon ein Schiff ist welches nicht mit anluvt. So werde ich in die Zange genommen und die Schiffe kuscheln kurz miteinander. Es läuft nicht gut für mich, alle SVB ́ler segeln vor mit. Nachdem der Svendborgsund verlassen ist, ist auch mehr Platz zum Segeln. Es geht nordwärts zum 1. Highlight, die „große Belt Brücke“ ich kann geschrickt bei NW 5 Bft. mit 8 kn segeln. Segeln kann sooooo schön sein. Neben mir segelt Dirk, ich kann keinen Meter gut machen, verdammt, er macht irgendwas besser. Rainer ist weit vor uns und Klaus segelt auch außer Sichtweite. Wolfgang startet in der Gruppe nach uns und ist deswegen hinter uns.

An der Brückendurchfahrt wird es dann wie erwartet wieder eng. Es ist außerdem windig und es regnet. Die SY Bonito überholt mich kurz vor der Brückendurchfahrt und fährt dann unerwartet eine Halse. Ich kann schnell genug reagieren und Bonito geht 1 m vor mir durch die Brücke.

Hinter der Brücke dreht der Wind dann nördlich und nimmt ab. Das Schiff stampft in den Wellen und macht wenig Fahrt Richtung Fyns Hoved. Ich muss wenden und segel jetzt mit höchster Höhe auf Kerteminde zu. Das ist eigentlich nicht die richtige Richtung, hoffentlich dreht der Wind gleich.
Und Zack, auf einmal kreuzt Klaus meinen Kurs. Bei weiter auf NO drehenden Wind kann ich an Klaus und Dirk vorbeisegeln und die Nordspitze von Fünen anliegen. Der Wind nimmt zu und Piccadilly schäumt vor Freude am Bug und gluckert am Heck.

Mit dem Dunkel werden erreiche ich dann die Nordspitze von Fünen und fahre über eine Sandbank mit 3 m Wassertiefe. Wir haben jetzt bis zu 20 Knoten Wind aus NO.
Raumschots geht es westwärts Richtung Æbelø. Zum Glück ist es jetzt dunkel, und man sieht die großen Wellen nicht.


Sonnabend 18.09.2021
(kurz nach Mitternacht)

Kursänderung bei Æbelø, jetzt Wind genau von hinten. Ich krabble angeleint aufs Vorschiff und baume mein G3 aus.
Der Wind lässt deutlich nach und bei der Brückenpassage in Middelfart ist der Wind ganz weg. Klaus hat mich mit seinem CodeZero eingeholt und so treiben wir gemeinsam durch die imposanten Brücken bei Middelfart.
Mit dem erreichen des kleinen Beltes nimmt der Wind wieder auf ca. 7 kn zu. Klaus kann sich mit seinen großen Segeln locker 34 Seemeilen absetzen. Dirk und Wolfgang kommen auch näher. Sieht nicht gut für mich aus.
Es ist immer noch stockdunkel und man kann in der nächtlichen Stille die Ausbläser der Schweinswale hören. In einer Wolkenlücke sehe ich sogar eine Sternschnuppe und wünsche mir was. Vor mir Leuchten die weißen Hecklichter und hinter mir sehe ich zahlreich rote und grüne Buglaternen. Was für eine abwechslungsreiche und tolle Herbstnacht.

Bei südlichem Kurs kann ich Piccadilly bei halbem Wind auf Höchstgeschwindigkeit trimmen. Der Autopilot steuert und ich mache mir eine heiße Suppe.
Gegen 5 Uhr fallen mir nach und nach die Augen zu und ich muss mich motivieren wach zu bleiben. Die Müdigkeit weicht erst nachdem ich mich wieder selber auf die Steuerung des Schiffes konzentriere. Mein Biorhythmus erwacht mit dem heller werdenden Horizont und schlagartig ist die Müdigkeit kein Problem mehr.
Ab Horne Næs geht es bei einem Amwindkurs und glatten Wasser an Lyø und Avernakø vorbei Richtung Svendborg. Kurz vor Skarø hole ich Klaus wieder ein. Wir müssen in den Svendborg Sund kreuzen und ich erreiche die Ziellinie vor Klaus nach 24 Stunden und 8 Minuten.
. So ist die Segelwelt wieder in Ordnung.

In der Wertung Keelboats Medium werde ich 53., Klaus kommt als 54. ins Ziel (24h 22m und Dirk wird 63. (25h 14m).

Und Rainer? Der hatte schon ausgeschlafen als wir in Svendborg anlegten. Rainer ist 23. geworden und in sagenhaften 21 Stunden und 36 Minuten um Fünen gesegelt. Herzlichen Glückwunsch.


Das schnellste Schiff in unsere Gruppe hat 18h31m gebraucht, das langsamste Schiff hat Svendborg nach 41h18m erreicht.


Wolfgang ist in der Gruppe Keelboats Large gestartet. Er kommt als 50. Ins Ziel (24h 17m).


Im Hafen von Svendborg entsteht wieder das Brunsbüttelpäckchen. Es gibt Silverrudderbier und jeder brabbelt seine Erlebnisse runter. Angetüddelt nach 3 Bier geben wir unsere Startnummern und Tracker bei der Regattaleitung ab. Zur Belohnung erhalten wir das begehrte Siverrudder TShirt und ein leckeres Smørrebrød mit Tuborg. Mit tollen Eindrücken geht es dann zufrieden am frühen Abend in die Koje.


Standort SVBYachten Sonnabend 06:55



Sonntag 19.09.2021

Nach dem Frühstück geht es ab Richtung Brunsbüttel. Die SVB ́ler segeln bei Nordost 5 Bft. gemeinsam nach Marstall zum abendlichen grillen. Auf dem Weg sammeln wir in Rudkøbing noch Longi und Walli mit ihrer Savoir Vivre ein.

Die SVB Finisher

Montag 20.09.2021

Der Wind hat nachgelassen, die Sonne scheint und wir starten unter Großsegel und Motor Richtung Kiel, unser Ziel ist Rendsburg. Hier treffen wir auf die JUX mit Maria und Kevin an Bord.

In Rendsburg feiern wir bei italienischen Essen aus Marias Geburtstag raus und anschließen auf Grand Cru in Rainers Geburtstag rein.


Dienstag, 21.09.2012


Bei Regenwetter schaffen wir die letzten 65 km bis nach Brunsbüttel durch den NOK.


Fazit nach einer Woche:


Eine sehr schöne Woche geht zu Ende, coole Typen, tolles Erlebnis, schnelles
Rennen, Vorfreude auf 2022


Sven Röttger

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