Archiv 2014

Predigt von Pastor Driesnack

Predigt:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Liebe weibliche und männliche Kapitäne, liebe Mannschaften und Landratten! Liebe Gäste in unserem Hafen! Liebe Mitglieder unseres Segelvereins.

Liebe Gemeinde, die in dieser Stunde betet, singt und auf Gottes Wort hört.

Menschen, die gerne Segeln oder anders als auf Containerschiffen auf dem Wasser unterwegs sind, verbringen ja ihre wertvollste Zeit, ihre Freizeit und ihren Urlaub am Schiff und auf dem Schiff.

Zeit die sie sich frei geschaufelt haben, Zeit, die sie sich erkämpft haben, Zeit, die mit ganz vielen Erwartungen gefüllt ist.

Es muss eine schöne Zeit werden.

Aber bitte nicht Windstille sodass die Mannschaft rudern muss, wie bei „Mobi Dick“.

Es soll erholsame Zeit sein. Aber es gilt auch Neues zu entdecken, die Möglichkeiten eines neuen Segels auszuprobieren und Herausforderungen zu bestehen, die das Zusammen-arbeiten und das sich-aufeinander-Verlassen der ganzen Mannschaft erweisen kann.

Eben nicht nur tagein tagaus den Hut aufsetzen, die Füße hoch, die Angel ins Wasser und warten bis ein Fisch anbeißt.

Wie sagt die Bibel so richtig: Alles hat seine Zeit. Etwas alleine machen oder zusammen, etwas lassen oder anpacken, planen oder ausführen, Proviant kaufen oder kochen, Unterwegs sein oder einen Landgang machen, gegen oder mit dem Wind, im Regenzeug oder in Badeklamotten unterwegs sein.

Und wenn schließlich alles so war, wie es sollte, war der Törn ein Geschenk, von dem wir lange erzählen und zehren.

 

Manchmal ist es ja wie im richtigen Leben, der Wind kommt genau von vorne. So stark, dass das Kreuzen lang und anstrengend wird. Manchmal wartet man dann im Hafen darauf, dass der Wind sich dreht. Und das möge bald geschehen, denn sonst ist die Zeit um; der Urlaub zu kurz, um das gesteckte Ziel zu erreichen und auch noch die Rückreise zu schaffen.

Manchmal gibt man dann ein Ziel auf und lehnt den neuen Kurs an die Windverhältnisse an.

Es gibt auch an Land Zeiten, die wertvoll sind. Die wie ein Geschenk sind.

Es gibt auch an Land für manche Ziele in unserem Leben so viel Gegenwind, dass es sich nicht lohnen würde, dass es über unsere Kräfte ginge, dass es gefährlich werden könnte und dass das Risiko zu groß wäre, weiter alles dran zu setzen, um erfolgreich zu sein.

Mir scheint es manchmal so, als wenn die Gefahr auf dem Wasser deutlicher vor Augen ist, als auf so einer Lebensreise.

Schaumkronen geben Informationen über die Windgeschwindigkeit, wenn ich kein Messgerät dafür habe. Eine schwarze Wolkenfront verrät etwas über herannahendes Unwetter. Rot oder Grün leuchtende Seezeichen notieren den Kurs im Dunkeln. Steilküsten und Kirchtürme gaben und geben Orientierung darüber wo man war oder ist. Es muss nicht erst das Tuch reißen oder der Mast brechen.

Für eine Reise auf dem Wasser gibt es Karten und oder das GPS System. Aber jede Bö macht sich im Segel, am Ruder, Am Gurgeln des Wassers und an der Bewegung des Schiffes bemerkbar und wir reagieren.

Auf der Straße gibt es unendlich viele Schilder und Navigationsgeräte. Und es passieren dennoch so viele Unfälle. Vielleicht weil unsere Konzentration so sehr aufgeteilt ist, dass deshalb die Autos schon fast selbst fahren können.

Was hilft aber im normalen Leben?

Andere Menschen und Freunde könnten uns warnen. Wir könnten ihren Erfahrungsschatz in unsere Entscheidungen einbeziehen.

Und doch sagen auch viele, das funktioniere nicht, denn in entscheidenden Dingen muss jeder Mensch diesen oder jenen Fehler selber machen.

Hätte man da einen Kapitän, auf den man sich verlassen kann, dessen Rat – oder Befehl man sich zu eigen macht, dann würde man vielleicht einen guten und ungefährlichen Kurs durchs Leben finden.

 

Aber was macht jemanden zum Kapitän?

Ein Segler aus unserem Verein hat mir folgendes erzählt. Er war gerade fertig mit dem Segelschein. Und mit ihm waren Menschen an Bord, die alle den gleichen Wissensstand mitbrachten. Aber er war der Kapitän. Als auf einer der ersten Reisen eine brenzlige Situation aufkam, schauten alle in seine Richtung und erwarteten von ihm Weisung. Da merkte er, er ist Kapitän, ohne einen Vorsprung an Wissen oder Erfahrung. Wieso?

Vielleicht weil er der Eigner des Schiffes war? Oder weil sich seine Autorität von der Tatsache ableitete, dass er das Familienoberhaupt war?

Wichtig: Einer sagt wo es lang geht, denn was wäre, wenn die Mannschaft erst einmal darüber diskutieren würde, was als nächstes Manöver dran ist.

Man könnte aber auch feststellen: die Mannschaft bringt dem Kapitän Vertrauen entgegen sodass sie macht, was er sagt. Erst dann ist er ja Kapitän. Wenn er nicht alles alleine machen muss - was in entscheidenden Momenten auch nicht funktionieren würde - sondern wenn die Mannschaft springt wenn er pfeift. All hands on deck!

 

Der Petrus, von dem wir vorher gehört haben hatte Vertrauen in seinen Herrn Jesus Christus. Er wollte sicher sein dass diese Erscheinung auf dem See wirklich kein Gespenst sondern eben Jesus war.

Als Jesus ihn einlädt, wagt er es dann und steigt über den Bootsrand und muss nicht schwimmen. Er geht Jesus entgegen hörten wir.

Und als er die Wellen, das Unwetter, hinter sich das schaukelnde Boot und vor sich, so weit entfernt, erst Jesus sah, verließ ihn das Vertrauen auf seinen Kapitän und er war ganz schnell vom Wasser umgeben sodass Jesus ihm glücklich zurück ins Boot half.

Viele Menschen vertrauen auf Gott als ihren Kapitän. Wie fest oder wie lose sie sich auch immer an ihn halten. Manche sind auch ständig am meutern! Sie glauben. Sie zweifeln. Sie verlassen sich lieber auf sich selbst denn sonst meinen sie sind sie verlassen. Manche Menschen sind sich nicht sicher ob ein Gott reicht. Manche Menschen sind verunsichert, weil sie vertraut haben und doch eingesunken sind. Kann ja nicht schaden, getauft zu sein. Den Segen bei der Trauung bekommen zu haben. Zu beten. Das Kreuz zu schlagen. In der Bibel zu lesen.

Aber sie vertrauen dem Kapitän nicht wirklich.

An diesem Wochenende feiern wir in der Kirchengemeinde Brunsbüttel die letzten Konfirmationsgottesdienste. Junge Leute sagen: Ja ich will als Christ leben. Das heißt aber nicht nur, ich will die 10 Gebote halten sondern ich will auf Gott vertrauen. Das heißt nicht nur später Kirchensteuern zahlen, sonder auch helfen, wenn ich Not mitbekomme und in der Nähe bin.

Ich will Gegenwind als ein Zeichen wahrnehmen und mir dann einen anderen Weg ein anderes Ziel zeigen lassen.

Ich will nach seinem Willen fragen, ich will springen wenn er pfeift.

Und hier, liebe Gemeinde, kollidiert Glauben scheinbar mit Freiheit. Viele denken, es gehe dabei um die Wahl zwischen Gauda und Camembert, zwischen Wurst und Gemüse, schnell oder langsam.

Ja, das ist auch Freiheit.

Aber eben nur Wahlfreiheit.

Wahre Freiheit würde offen lassen, ob es rechts oder links herum weitergeht. Und diese Freiheit haben wir im Grunde nicht, weil wir genetisch, politisch, charakterlich und gesellschaftlich in so vielfältiger Weise vorherbestimmt sind. Und das meint die Bibel mit Sünde.

In der Nachfolge Jesu und im Vertrauen auf Gott, meinen Kapitän, geht es um die Freiheit von diesen Bindungen und Verstrickungen; geht es darum der Mensch zu sein, wie Gott ihn gedacht hat – mit der Aufgabe, die er ihm zugedacht hat.

Auf Gott zu vertrauen heißt: ich will die Kommandos hören, damit meine Lebensreise wirklich ans Ziel kommt.

Liebe Gemeinde!

Unser Leben ist wertvolle Zeit. Es ist ein Geschenk.  Um es auch als solches wahrnehmen zu können, müsste ich auf meinen Kapitän vertrauen, wie es ein Mensch aus dem alten Testament tat und betete: Herr Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

 

Diesen Satz habe ich für heute morgen umformuliert, und zwar so: Herr Dein Wort setzt einen guten, sicheren Kurs für meinen Lebenstörn und gibt mir Orientierung in schwerer Zeiten. Ich vertrauen darauf. Ahoi! Leinen los.

Amen   

   
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