VENDE HJEM auf der Aalregatta im
Rahmen der Kieler Woche 2002
Am 22./23. 06.02 fand die diesjährige Aalregatta im Rahmen
der Kieler Woche statt. Die Aalregatta besteht aus zwei Teilwettfahrten, am
Samstag von Kiel nach Eckernförde und am Sonntag von Eckernförde nach
Kiel. In Eckernförde erhält jede Yacht zwei geräucherte Aale,
womit sich der Name der Regatta auch erklären läßt. (Vermutlich
wurden früher mit Lastensegler unter wettfahrtähnlichen Verhältnissen
Aale von Eckernförde nach Kiel verschifft)
Die Vorbereitungen zur Teilnahme liefen schon in der Vorwoche. Das Boot wurde vom Tourenschiff zum Regattaschiff umgestaltet (Spielsachen, Teddybären, Weingläser, Schlauchboot etc. kamen von Bord, andere Segel wurden angeschlagen, Dieseltank mußte voll, die Kühlwasserpumpe wurde repariert, Boot bei passenden Wasserstand in den Kanal legen, Einkäufe tätigen).
Die Crew der Vende Hjem setzte sich wie folgt zusammen:Am Donnerstag abends ging es dann bis Gieselau durch den Kanal und Freitag weiter nach Kiel. Christian mußte leider aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen und konnte nicht nach Kiel kommen.
Nachdem die Ostsee sich öffnete, wurde noch mal kurz die neue Genua ausprobiert. Die ersten Eindrücke waren sehr gut. Anschließend ging es nach Düsternbrook, um beim KYC zur Teilnahme einzuchecken.
Insgesamt lagen ca. 190 Meldungen vor, die Boote
wurden nach Größe und Typen in 12 Gruppen eingeteilt, wir Balladen
segelten als Einheitsklasse mit 11 Teilnehmern.
Samstag, den 22.06.02 – von Kiel nach Eckernförde
Die Startlinie lag unmittelbar vor Düsternbrook und wurde durch zwei Dreiecke in Peilung mit Begrenzungstonnen gebildet. Also wurde vor dem Start abchecken wie sich die Lage der Tonnen zur Linie verhält. Sie lagen sehr gut und konnten als Orientierungshilfe genutzt werden.
Um 10:10 Uhr erfolgte für uns das Startsignal,
zusammen mit den Gruppen IMS 4, X-79, Sprinta Sport. Freier Wind war beim Start
das wichtigste. Wir entschieden uns für den Leestart direkt an der Bergrenzungstonne.
Hoch am Wind, mit Wind von Steuerbord liefen wir auf die Startlinie zu. Dabei
haben wir möglichst vielen Konkurrenten den Weg zur Linie abgesperrt. Wir
hatten uns eine sehr gute Startposition erkämpft. Jetzt müsste der
Schuss kommen. Der Schuss kam, sofort abfallen, Tüte hoch und weg. Wunderbar
das klappte sehr gut. Bei SW 3 ging es bis zur Fördetonne 4 (Platz 2),
dann mit einem Amwindgang zur Stollergrung S (Platz 2), weiter mit einem Holer
und Strecker zur Warngebiettonne 8a (Platz 2), mit spitzen Spigang zur Meilentonne
2 (Platz 2 Heckkorb des 1. war berührungsfähig). Zwischenzeitlich
frischte der Wind auf ca. SW 5 auf und es ging an die Kreuz zur Warngebiettonne
5a. Der 1. ging mit einem langen Schlag an die Ostseite der Eckernförder
Bucht, was wir uns nicht gewagt haben. Devise bei gleichen Schiffen ist eigentlich
"bleib bei deinen Gegnern". Durch Vernachlässigung der Holepunkte für
die Genua (kein Vorwurf an die Crew, den Feintrimm muß ich wissen) konnte
Stefan Schalk aus Glückstadt vorbeiziehen. Nach der 5a ging es mit Schrickgang
zur Warngebiet 2a und weiter zum Ziel.
Wir waren sehr zufrieden und konnten bei der Preisverteilung
den 3. Silberbecher in Empfang nehmen. In Eckernförde lagen wir mit 8 Balladen
im Päckchen, sämtliche Crews schliefen an Bord und alle waren sich
einig.
Sonntag, den 23.06.02 – von Eckernförde nach Kiel
Der Start zur Rückregatta erfolgte um 10:40 Uhr, das ist eben Ostseesegeln – an der Elbe bestimmt die Tide den Start und das ist häufig sehr viel früher.
Die Entscheidung zum Start aus der Mitte erwies sich als richtig,
ähnlich wie in Kiel die Linie halbwinds Bb-Bug mit Genua III und Groß
runter, abfallen und Spinnaker hoch. Der Wind kam aus WSW mit 6 (7), die Reise
ging schnell los. Die Logge pendelte sich zwischen 9 – 11 Knoten ein, etwa 50
% der Boote versuchte ihr Glück mit Spinnaker. Links und rechts wurden
Eulen gefangen, dank sehr guter Spinnakerfahrweise blieben wir jedoch verschont.
Das östliche Ufer der Eckernförder Bucht näherte sich, es mußte
eine Schiffte vorbereitet werden. Bei einigen klappte sie, der größte
Teil packte sich jedoch dabei hin. Also kurze Diskussion, Spinnaker runter,
Schoten und Geschirr umschlagen und Spinnaker wieder hoch. Das ganze dauerte
vielleicht eine Minute und kein Platz verschenkt. Je weiter wir raus kamen,
desto mehr nahm der Seegang zu, das Spisegeln annähernd platt vorm Lagen
wurde – ich möchte sagen – nicht ganz ungefährlich, zusätzlich
nahm der Wind auf ca. 7 Windstärken zu. Ein Blick nach hinten, keine Ballad
hatte noch den Spi oben, also Genua III hoch und Spi weg. Kurze Zeit später
wurde wurde die Warngebiettonne 8b (1. Platz) umrundet. Mit Amwindkurs ging
es zur Meilentonne 2 (1.Platz). Die Konkurenz segelte die Genua II und war,
wie mir schien, einen kleinen Tick schneller. Der nächste Kurs wurde auf
die Stollergrund N und weiter zum Gabelsflach Regattatonne abgesteckt. Wir setzten
die Genua I, welche nach Luv ausgebäumt wurde, andere Balladen segelten
mit der GI und GII Schmetterling, nach meiner Auffassung nicht regelgerecht,
also ließen wir es. Die Logge zeigte phasenweise über 13 Knoten im
Surf an. Die "Flott" zog vorbei, und der "Strolch" kam merklich auf. Nach Umrundung
der Gabelsflachtonne (2. Platz) ging es an die Kreuz zum Leuchtturm Kiel. Mit
Genua 1 und vollem Groß bei guten 7 ein nasses Vergnügen. Der "Flott"
wurde zügig überholt, der "Strolch" konnte vorerst gehalten werden.
In Lee zog der Vortagessieger "Brise" mit jedoch weniger Höhe vorbei. Vorm
Ziel Leuchtturm Kiel traf man sich wieder, "Strolch" kam mit Bb-Bug – es wäre
so schön gewesen aber Vorfahrt ist Vorfahrt, also kleinen Schrick in die
Schoten und hintenrum. Ein letztes Mal klar "zur Wende" und ab ins Ziel. Mit
Abständen von 20 Sekunden gingen die ersten drei Balladen ins Ziel.
Die Gesamtwertung ergab folgendes Ergebnis:
Am Abend nahmen wir an der Preisverteilung in Schilksee teil, tranken noch das eine oder andere Plichtbier (Musik im Zelt war zu laut, man wird wohl doch älter) und brachten am Montag das Boot wieder durch den Kanal. Schluß ist eigentlich erst wenn die Segel umgeschlagen sind und die Spielsachen, Teddybären und das Schlauchboot wieder mit dürfen.
Es war eine wunderschöne Aalregatta mit
einem schönem Boot und sehr netten Gruppenteilnehmern in der Balladklasse.
(Ein kleiner Verweis auf die Klassenvereinigung sei erlaubt, also www.ballad.de.).
Hier gibt es keinen Ärger mit den Vergütungen,
keine Diskussionen über Yardstick oder ähnliches. Es
bringt einfach nur Spaß, und ich glaube so soll unser Hobby auch sein.
Wir sind jedenfalls im Jahr 2003 wieder dabei und freuen
uns schon jetzt auf eine erneute Aalregatta.
26.06.2002
Rainer Gosch
Die "Vende Hjem"