"Mutter Bruns" und ihre Kinder
Wenn man im Archiv der heute 75jährigen Seglervereinigung Brunsbüttel blättert, gab es sicherlich viele Dinge, die Geschichte geschrieben haben. Eine Vision von Vereinsmitgliedern im Jahre 1968 zählt sicherlich noch heute zu den Dingen, die durch Mut, unendlichen Fleiß, Ausdauer, handwerkliches Können und sehr viel Optimismus geprägt war.
Segelfreunde wie Hermann Biere, Uwe Schulz, Heiner Arndt, Willy Ogrzala, Hein Dabelstein, Walter Dardemann, Arthur Kann, Erich Sievers, Jens Jebens, Peter Meier, Karl Meier und viele andere wollten unter Federführung des "Bosses" Karl Heinz Kleemeier nach dem Riß von Abbi Lassen in Gemeinschaftsarbeit ein seegehendes und wattentaugliches Vereinsschiff bauen und es später natürlich auch nutzen.
In einer Zeit, in der Geld Mangelware war, die Arbeitszeiten noch jenseits von 50 Stunden lagen und viele Familienväter waren, sicherlich keine leichte Aufgabe. Doch der Gedanke an einen schönen Urlaub oder Wochenendtörn auf der Elbe, Nord- oder Ostsee half immer wieder dabei, die 4500 Arbeitsstunden auf dem Bauhof von Werner Corneels bzw. die Lamminierarbeiten unter unmenschlichen Bedingungen in einer kleinen Halle in Marne, in Vergessenheit zu bringen. Mitglieder finanzierten zum Teil durch zinslose Darlehen die ca. 18.000,- DM Materialkosten.
Am 31. August 1969 hielten dann der Vorsitzende Heinrich Matzen und Vorstandsmitglied Heinz Engel die Taufreden und die neunjährige Sabine Kleemeier taufte die schneeweiße Yacht auf den Namen "Brunsbüttel" und wünschte Ihr allzeit gute Fahrt und immer eine handbreit Wasser unter Ihrem Kiel.
Die "Brunsbüttel" ist mit Ihren 9,0 m Länge über alles und 3,0 m Breite, einem Tiefgang von nur 65 cm ohne und ca 2,0 m mit Schwert und einem Gewicht von ca. 6 Tonnen ein sehr solides und gutmütiges Fahrtenschiff.
Nachdem das Interesse an dem Vereinsschiff stark nachließ, wurde die "Mutter Bruns" (wie sie noch heute liebevoll genannt wird) 1980 zum Vereins- und Ausbildungsschiff der Jugendgruppe. Dieses Schiff hat in 31 Jahren vielen Mitglieder den Segelsport näher gebracht. Wenn Sie Geschichten erzählen könnte, dürfte es ein abendfüllendes, spannendes und manchmal vielleicht auch trauriges Programm ergeben. Sollten diejenigen, die heute noch das Schiff nutzen wollen, mit dem gleichen Mut und Optimismus wie die Erbauer an die Arbeit gehen, wird es sicherlich auch heute noch eine Zukunft für die "Bruns" geben.
In den Jahren nach 1969 ging der wirtschaftliche Erfolg in der BRD weiterhin steil bergauf. So blieb es auch nicht aus, das einige der "Hobbybootsbauer" selber Schiffseigner werden wollten. In kleinen Arbeitsgruppen entstanden in den Jahren 1970 – 1979 14 weitere Abzüge von der Negativform. Zehn von ihnen prägen noch heute das Hafenbild der SVB, ein Schiff liegt in Kiel, zwei in Elmshorn, eines in Husum und ein weiteres in Neuhaus an der Oste.
Kleine und große technische Veränderungen, die unterschiedlichsten Farbgestaltungen (weiß, grün, orange, rot, gelb und sogar Schlafzimmertapeten ), Aufbauten, Riggveränderungen, Motorenhersteller, Navigationsausrüstungen und Innenausbau ließen jedes Schiff zur einmaligen und einzigartigen Segelyacht werden.Trotz dieser optischen Unterschiede kann jeder diese Eigenbauten an ihrem völligem Steven, dem negativen Heck ( Entenar...) und dem abgesetzten Decksaufbau eindeutig und unverwechselbar erkennen.
Auch wenn die Entwicklung von Segelyachten im rasanten Tempo vorwärts getrieben wird, sind die "Brunsbüttel"-Eigner mit ihren Schiffen immer noch sehr zufrieden, weil sie einfach in dieses rauhe Tiedengewässer passen. Selbst wenn Seezeichen versenkt ( Pegel, Fahrwassertonnen etc.), Ufersteine gerammt werden, abgebrannte Dalben diese Schiffe aufspießen oder sie sich an Land vom Trailer fliegend verabschieden, schwimmen heute noch alle weiterhin auf dem salzigen Naß.
Die Geschwindigkeiten von modernen Yachten haben heute durch Gewichtsabnahme deutlich zugelegt. Aber wenn mich dadurch fast 80% der Schiffe überholen, denke ich oft darüber nach, welchen Sinn es überhaupt macht, den Hafen x oder y eine oder zwei Stunden früher zu erreichen. Für mich sind die Stunden auf See viel wichtiger in unser doch so hektischen Zeit.
Die "Brunsbüttel"-Typen haben aber noch weitere Trümpfe in der Hand: Durch ihren geringen Tiefgang können so einige "Abkürzungen" gefahren werden. Bei rauhen Wetterbedingungen zeigt sie ihre wahre Stärke, wenn andere schon mit dem 2. Reff und kleiner Fock bei 30 Grad Schräglage segeln, geht es bei uns unter "Vollzeug" und im aufrechten Gang noch verhältnismäßig gemütlich zu. Auch das Platzangebot und die allgemeine Handhabung auch mit kleiner Crew läßt keinen Zweifel aufkommen, daß es sich lohnt, auch weiterhin diese Schiffe zu hegen und zu pflegen und eventuell den einen oder anderen Euro zu investieren.
Einen Dank an die fleißigen Erbauer der Form, sie ist wirklich gelungen!
Ich wünsche allen Segelfreunden auch weiterhin viele erholsame oder auch sportliche Seemeilen und eine glückliche Heimkehr.
Mast und Schotbruch wünscht der
"Brunsbüttel"-Eigner der SUNSHINE
Klaus Arndt
Unser Vereinsboot die "Bruns"
Die Flotte der Brunsbüttel-Typen